Reden in der Öffentlichkeit - Bastian Atzger

Direkt zum Seiteninhalt
Ratschläge für Reden in der Öffentlichkeit
Worauf muss ich achten, wenn ich einen Vortrag oder eine Präsentation halten will?


Wer kennt das nicht – man wird gebeten, eine Rede zu einem bestimmten Thema vorzubereiten und dann auch noch selbst zu halten. Viele Menschen haben alleine beim Gedanken daran schon Panikattacken. Aber auch geübte Redner sind nicht immer so „cool“, wie sie erscheinen. Selbst Harald Schmidt hat einmal gestanden, vor jedem Auftritt noch immer Lampenfieber  zu verspüren.

Es gibt in diesem Bereich zahllose Ratgeber, die Rednern suggerieren, man könne die Angst vor dem Auftritt mit einfachen Tricks beseitigen. Meistens halten diese Ratgeber jedoch nicht was sie versprechen. Und Lampenfieber an sich ist auch nichts schlechtes, denn es erinnert uns stets daran, den Auftritt und das Gesagte ernst zu nehmen. Und wenn selbst Kommunikationsprofis und Fernsehstars vor ihren Auftritten noch  Lampenfieber verspüren, so soll es nicht das Ziel sein das Lampenfieber  zu verstecken, sondern zu lernen mit ihm umzugehen.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen ein paar Punkte aufzählen, die mir von meinen öffentlichen Auftritten sehr geholfen haben. Ich verspreche  Ihnen nicht, dass Sie das Lampenfieber vollständig besiegen, denn das habe ich selbst bis zum heutigen Tage auch noch nicht geschafft, aber Sie werden es eindämmen und Ihre Rede deutlich selbstsicherer und  selbstbewusster halten.


1. Vor der Rede:

-> Informieren Sie sich über Ihre Zuhörerschaft:

Finden Sie heraus, was die Zuhörer interessiert, weshalb sie Ihrer Rede zuhören werden, welchen (beruflichen) Hintergrund sie haben und in welchem Rahmen die Rede stattfinden soll. Diese Überlegungen helfen Ihnen, Ihre Rede besser bezüglich Thema, Komplexität, Umfang und Detailtiefe vorausplanen zu können.

-> Sprechen Sie nur über Vertrautes:

Nahezu Ihre gesamte Glaubwürdigkeit hängt an der Art und Weise wie Sie die Informationen Ihrer Rede vermitteln können. Wenn Sie sich unsicher sind, oder über ein Thema reden sollen, das sie nicht beherrschen, dann lehnen Sie lieber den Vortrag ab. Zunächst einmal müssen Sie sich sicher fühlen, damit sich Ihre Zuhörer sicher fühlen können. Sobald sie Unsicherheit oder – noch gravierender – Unkenntnis vermitteln, schlägt der Nutzen Ihrer Rede ins Gegenteil um.

-> Vermeiden Sie einschläfernde Präsentationen:

Microsoft PowerPoint ist ein wunderbares Programm, um viele Informationen mit wunderschönen Grafiken und witzigen Animationen an die Wand zu werfen. Leider wird diese Möglichkeit in der Regel überstrapaziert. Viele Redner nutzen die Folien bis zur letzten Zeile aus, um so viel Information wie möglich zu vermitteln. Leider geht genau dieser Schuss nach hinten los. Der Zuhörer droht im Meer der Informationen zu versinken. Daher sollte man sich so frei wie möglich von PowerPoint und ähnlichen Präsentationsformaten machen. Stellen Sie sich als Redner und Ihr Thema, also das Gesagte, in den Mittelpunkt. Nutzen Sie PowerPoint nur als Beiwerk (z.B. für Fotos oder aufwändige Grafiken und Trends). Wenn Ihnen ein Flip-Chart zu Verfügung steht, können Sie dies nutzen um wichtigste Informationen, zum Beispiel Zahlen oder Schlagworte, zu verdeutlichen.

-> Freie Rede oder Manuskript:

Sie müssen für sich selbst entscheiden, ob Ihnen einige Stichworte  genügen, die Sie auf eine Karte schreiben, Sie die gesamte Rede aus dem  Stehgreif halten möchten, oder Sie eine Rede vollständig vom Blatt lesen wollen. Wenn es sich um eine Begrüßungsansprache, eine Danksagung oder die Präsentation von Arbeitsergebnissen handelt, wäre zur freien Rede, bzw. zu den Stichwort-Karten zu raten. Eine komplette Rede vom Blatt zu lesen sollte man nur dann vorziehen, wenn viele Details vorzubringen sind, oder Sie eine Ansprache in einem besonders zu würdigenden Umfeld vortragen sollen.

-> Denken Sie an die Details:

Wenn Sie eine Rede vorbereiten, denken Sie nicht nur an die Worte die Sie sagen möchten, sondern denken Sie auch daran, was Sie tun können, um sich während der Rede wohl zu fühlen. Denken Sie daran, in welcher Kleidung Sie sich während des Vortrags eingeengt oder frei fühlen. Passen Sie stets Ihre Kleidung dem Rahmen der Veranstaltung an, bewahren Sie sich aber die Freiheit die Sie benötigen, um die Rede entspannt und sicher zu vermitteln. Informieren Sie sich zudem, ob ein Rednerpult zur Verfügung steht oder ein Mikrofon. Wenn Sie wissen, in welchem Umfeld Sie die Rede halten werden, können Sie sich bereits vorab mental auf die Situation vorbereiten. Denken Sie auch daran Ihre Körpersprache und Körperhaltung dem Rede Zweck anzupassen.


2. Während der Rede:

-> Interagieren Sie mit dem Publikum:

Nichts ist schlimmer, als das Publikum mit einem monotonen Vortrag zu langweilen. Binden Sie daher das Publikum über gezielte Fragen in ihren Vortrag ein. Animieren Sie auch die Zuhörer selbst Fragen zu stellen. Wenn Sie sich durch Unterbrechungen gestört fühlen, bitten Sie die Zuschauer, sich die Fragen für den Schluss Ihrer Präsentation vorzumerken. Achtung! Wenn Sie sich bei einer Frage unsicher fühlen, oder die Antwort auch ganz einfach nicht wissen, geben Sie dies offen und ehrlich zu und versuchen Sie nicht Antworten zu erfinden oder ihre Unsicherheit zu verbergen. Ein guter Tipp für diese Situation ist daher, den Fragensteller direkt anzusprechen und ihn zu bitten, Ihnen eine Kontaktmöglichkeit (z.B. Telefonnummer oder E-Mail-Adresse) zukommen zu  lassen. Bieten Sie ihm an, sich zu informieren und ihm die Information kurzfristig nachzureichen. Gleichzeitig wenden Sie sich an den Rest des Publikums mit dem Hinweis, die Antwort auf die Frage ebenso kurzfristig  auf Ihrer eigenen Webseite bzw. an einer entsprechenden Stelle zu  veröffentlichen.

-> Bringen Sie das Publikumsinteresse in den Fokus:

Nicht wenige Redner meinen, besonders glaubwürdig und kompetent zu erscheinen, wenn sie stets Geschichten von sich oder über sich erzählen. Leider ist meistens das Gegenteil der Fall. Als Redner stehen zwar Sie in diesem Moment im Rampenlicht, der Fokus ihrer Rede muss allerdings darauf liegen, Ihren Zuhörern einen Mehrwert zu bieten und nicht Ihre Lebensgeschichte oder ihren Werdegang in aller Ausführlichkeit in den Mittelpunkt Ihrer Ausführungen zu setzen. Tun Sie dies nur, wenn es der Story dient (s. nächster Punkt), aber dennoch in der gebotenen Kürze.

-> Nutzen Sie Storytelling für sich:

Storytelling ist eine relativ neue Disziplin im Bereich des  Kommunikationsmanagements. Jedoch beschreibt sie nichts anderes als das, was gute Redner schon seit Jahrhunderten ausmacht. Wenn Sie an sich selbst denken, werden Sie sicherlich auch zu denen gehören, die besonders gerne den Rednern zuhören, die es schaffen, Sachverhalte spannend, interessant und in eine Geschichte verpackt vorzustellen. Redner, die sich nur monoton von Punkt zu Punkt Ihrer Ausführungen hangeln, langweilen das Publikum und erreichen nicht den Zweck ihrer Präsentation. Versuchen Sie daher, Ihre Ausführungen soweit es geht und soweit es Sinn macht in eine interessante, abstrakte, jedoch leicht verständliche Geschichte zu verpacken. Vernachlässigen Sie jedoch niemals den Sinn und Zweck Ihrer Rede und verlieren Sie sich nicht in Ihren Ausführungen.

-> Bringen Sie eigene Inhalte:

Viele Redner glauben, dass wenn sie ihren Vortrag mit besonders vielen Zitaten und Beiträgen anderer Personen anreichern, sie dadurch mehr Glaubwürdigkeit und Interesse generieren könnten. Leider verliert sich jedoch der Zuhörer bei allzu vielen fremden Inhalten. Versuchen Sie somit so weit wie möglich eigene Punkte und eigene Informationen in Ihrer Rede zu vermitteln.

-> Denken Sie an Social Media:

Die sozialen Netzwerke sind dafür bekannt, Informationen binnen kurzer Zeit zwischen besonders vielen Menschen zu teilen. Bedenken Sie daher in jedem Moment ihres Vortrags, dass bereits eine unüberlegte Aussage, eine Panne oder eine ungeschickte Bewegung für alle Zeiten in den sozialen Netzwerken verewigt werden kann. Bereiten Sie daher Ihren Vortrag gut vor und überlegen Sie sich in jedem Moment genau was Sie sagen. Auch vermeintlich witzig gemeinte Aussprüche können ebenso wie ein kurzer Moment der emotionalen Unbeherrschtheit Ihre gesamte Rede ad absurdum führen. Und selbst Menschen, die bei ihrem Vortrag nicht dabei gewesen sind, erfahren dies über die sozialen Medien.

-> Stellen Sie sich das Publikum nicht nackt vor:

Eine alte Weisheit besagt, um Nervosität abzubauen, solle man sich das Publikum doch einfach nur nackt oder in Unterwäsche vorstellen. Vergessen Sie das! Die Anstrengung, sich auf diese Vorstellung konzentrieren zu müssen lenkt Sie nur von ihrem Vortrag ab. Gehen Sie einfach davon aus, dass Ihre Zuhörerschaft Ihnen gegenüber positiv gestimmt ist. Ihre Zuhörer möchten etwas von Ihnen erfahren, deshalb sind sie ja da. Nutzen Sie diese positive Grundeinstellung und die in diesem Blog aufgeführten Punkte und Sie werden sehen, dass es gar nicht so schlimm ist eine Rede zu halten.


3. Nach der Rede:

-> Gehen Sie in die Selbstanalyse:

Nach jeder Rede und nach jedem öffentlichen Auftritt ist es ganz  normal, dass man diesen in Gedanken noch einmal Revue passieren lässt. Meistens ist man dabei mit sich selber deutlich kritischer als es das Publikum ist. Nehmen Sie Kritik von anderen aber auch Ihre eigene Selbstkritik auf und überlegen Sie sich für das nächste Mal was sie besser oder anders machen könnten. Aber genauso sollten Sie festhalten was sie gut gemacht haben und sich dafür auch belohnen.

Wenn Sie auch nur ein paar dieser Ideen beherzigen, werden Sie sehen, dass es gar nicht so schwer ist, eine Rede vor Publikum zu halten. Was  ihnen gegen Lampenfieber oder Unsicherheit jedoch am besten hilft, das ist Erfahrung. Je öfter Sie sich aus Ihrer Komfortzone herausbewegen und sich vor Menschen präsentieren, desto routinierter werden Sie und desto kürzer wird auch das Lampenfieber. Meistens ist es so – zumindest nach meiner persönlichen Erfahrung – dass das Lampenfieber in dem Moment verschwunden ist, indem man den Menschen in die Augen blickt und mit dem Sprechen beginnt.

Ich wünsche Ihnen bei all ihren Reden und Präsentationen viel Erfolg, danke für Feedback und Ergänzungen und würde mich freuen, Sie einmal bei einem Vortrag oder einer Rede begrüßen zu dürfen, oder auch Sie dabei erleben zu können.


(Veröffentlicht am 31.10.2013 als Blogbeitrag)
Folgen Sie mir auf:
Folgen Sie mir auf:
Zurück zum Seiteninhalt